Vor dem Krieg das Paradies

Von Fritz Schaub
Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte Maurice Durufle (1902–1986) in seinem Requiem nicht das Leid, sondern die Hoffnung in den Vordergrund. «Dies irae» und «Rex tremendae» liess er weg, fügte dafür die Anfangsworte des mittelalterlichen Hymnus «In Paradisum» an. Musikalisch führt das Werk unter dem Einfluss des Impressionismus und der Lyrik eines Fauré sakrale französische Chortradition weiter. Andererseits verleihen gregorianische Themen der Totenmesse einen archaischen Charakter.
Diese beiden Grundzüge haben der Chor molto cantabile, die Camerata Musica Luzern, der Organist Tobias Frankenreiter, Liliane Zürcher (Mezzosopran) und Fabian Egli (Bariton) in der zum Bersten gefüllten Luzerner Lukaskirche an Allerheiligen unter der Leitung von Andreas Felber sehr fein und klangschön herausgearbeitet. Felber, der aus den Reihen der Luzerner Sängerknaben stammt und den Chor molto cantabile gründete, betonte mit weichen Linien und weit ausgreifenden Bewegungen den von Melodien getragenen Charakter. Für ihn bedeutete die Aufführung zugleich den Abschluss seines Chorleitungsstudiums, und er dürfte die anwesenden Experten voll überzeugt haben.

Solistische Sängerknaben
In krassem Kontrast zu dieser Hoffnung verströmenden Totenmesse stand zu Beginn Benjamin Brittens «Children’s Crusade», in dem Bertolt Brechts Text «Kinderkreuzzug» anklägerisch den Ausbruch des (zweiten) Kriegs beschwört. Instrumental auf zwei Klaviere, Schlagzeug und elektronische Orgel reduziert, lebt das Werk vor allem vom gesungenen Text, der in den Luzerner Sängerknaben, die sich immer wieder solistisch aufteilten, auch optisch adäquate Interpreten fand.