Andreas Felber führt Chor zum Erfolg

VON FRITZ SCHAUB

Gleich viermal innerhalb von zwei Wochen tritt das Ensemble molto cantabile mit seinem neusten Programm «Einklang» in der Matthäuskirche in Luzern auf. Die Premiere am Samstag war ein voller Erfolg. Das Publikum in der dicht besetzten Kirche applaudierte den 22 Chormitgliedern enthusiastisch und erbettelte zwei Zugaben – derart überzeugend war der Auftritt des jungen Luzerner Chors um Dirigent Andreas Felber. Schon wie das Ensemble ohne Instrumentalbegleitung die «Sechs geistlichen Lieder» von Hugo Wolf nach Texten von Joseph von Eichendorff anging, liess aufhorchen. Auch auf die Noten als Stütze verzichtend, erreichte der Chorklang vom ersten Ton an eine fabelhafte Präsenz. Die einzelnen Stimmregister waren derart ineinander verfugt, dass sich eine ununterbrochene Klangsäule vom tragenden Bassfundament bis zur strahlenden, unforcierten Sopranhöhe ergab. Und dann erst diese dynamische Differenzierung vom strahlkräftigen Fortissimo zu einem klingenden Piano, ganz zu schweigen vom reichen farblichen Spektrum, das sich dabei auftat.

Nach der Tiefe graben
Das waren keine Gesänge zum Einsingen, sondern Bekenntnisse eines von seelischen Abgründen heimgesuchten Komponisten, der mit dem Glauben ringt und im Gebet Zuversicht und Haltung gewinnt. Erstaunlich, dass ein vorwiegend junger Chor – das Alter der Mitglieder liegt zwischen 17 und 36 Jahren – sich solch ernsten Gesängen gleich am Beginn eines Programms widmet. Chorleiter Andreas Felber indes verwundert das nicht: «Die jungen Frauen und Männer lieben gerade solche Herausforderungen. Sie sind bestrebt, sich auch mit schwierigen Werken auseinanderzusetzen und in die Tiefe zu gehen», erklärt er im persönlichen Gespräch.
Davon zeugte auch das weitere Programm, das der Chor am Samstagabend darbot und gestern wiederholte. Vor allem zeigte es, dass das Ensemble um das moderne Schaffen keinen Umweg macht. Denn nach den Hugo-Wolf-Gesängen kamen mit dem noch der spätromantischen Tradition verhafteten, vom Chor leicht und flüssig vorgetragenen Lied «Entflieht auf leichten Kähnen» von Anton Webern und den Gesängen des 1970 geborenen Komponisten Eric Whitacre Werke des 20. bzw. 21. Jahrhunderts zur Aufführung. Wobei diese Ausrichtung noch durch den der atonalen Epoche angehörenden kurzen Satz für Streichtrio «Ruhig Fliessend» von Anton Webern unterstrichen wurde.

Publikumsliebling Whitacre
Zum eigentlichen Programmschwerpunkt aber weiteten sich die ebenso wohlklingenden wie effektvollen Werke von Eric Whitacre aus. Wie an anderen Orten, vor allem in Whitacres Heimat, den USA, wurden sie auch hier zum grossen Publikumserfolg. Bei «Her Sacred Spirit Soars» («Ihre Heilige Seele erhebt sich») verteilte sich der Chor in der Kirche und erzeugte einen überwältigenden Raumklang.

Grosses Farbenspektrum
Mit derselben technischen Souveränität und Ausdruckskraft bewältigte er auch die «Five Hebrew Love Songs», mit feiner instrumentaler Unterstützung durch Piano- und Violinklänge, gespielt von Martin Bucheli bzw. Andreas Gabriel, «Leonardo Dreams of his Flying Machine», «When David Heard» und «Cloudburst» nach einem eindringlichen Text von Octavio Paz. An dessen Ende prasselte mit Hilfe einer raffinierten Klangmaschinerie – grosse Trommel, Donnerblech, Händeklatschen und Fingerschnippen der Choristen – ein fürchterliches Tongewitter in den Kirchenraum. Treibende Kraft hinter diesem Luzerner Chorwunder ist Bariton und Dirigent Andreas Felber. «Schon als Kind stand für mich fest, dass ich Sänger werden wollte. Begonnen habe ich bei den Luzerner Singknaben», sagt er. Anschliessend kam Felber in den Chor molto cantabile, den André Grootens 2003 gründete. «Ich übernahm zuerst die Stimmbildung und nach einem halben Jahr auch die Leitung des Chores», erzählt Felber über seine Anfänge.

Grosse internationale Erfolge
Seither eilt der Chor von Erfolg zu Erfolg, heimst erste und zweite Preise auch bei internationalen Wettbewerben ein und gibt eine CD nach der andern heraus. Das Erfolgsgeheimnis fasst Andreas Felber so zusammen: «Mit relativ wenigen Stimmen einen voluminösen Klang und ein grosses Farbenspektrum zu erreichen, ist unser Ziel.» Am Samstag hat «molto cantabile» das eindrucksvoll unter Beweis gestellt.