Unmögliches möglich gemacht
Es ist die ewige Frage: Soll sich der Mensch dem allgegenwärtigen Pessimismus ergeben oder an etwas Besseres glauben und dafür kämpfen. allen Widrigkeiten zum Trotz? In «Mater Aeterna)) wird der zweite Weg gewählt – und das Leben und die Liebe gepriesen.
Chregi Hansen Faszinierende Klangspiele, wunderbare Chorpassagen Allen Widrigkeiten getrotzt Weitere Aufführungen finden am 15. und 16. November statt. Weitere Infos unter www.materaeterna.ch
Nein, nicht jeder Ton in diesem Oratorium umschmeichelt die Ohren, bezirzt das Publikum, strebt nach Schönheit. Da finden sich durchaus Dissonanzen, da werden Melodien eingerissen wie einst Mauern,- kämpfen Sänger und Musikanten gegeneinander an, setzt der Rhythmus kurz aus oder schlägt das Herz plötzlich neben dem Takt.
Es ist wie im richtigen Leben. Das besteht auch nicht nur aus Schönheit. Dies umso mehr, wenn es um eine Mutter geht, deren Sohn eben hingerichtet wurde. «Von oben nach unten / zerreisst sich die Welt» – so leitet der Chor den düsteren Anfang des Stückes ein. Und wenn Krieg, Tod und Verzweiflung dominieren, dann sind harmonische Klänge wahrlich nicht das richtige Stilmittel. Dann dürfen die Klänge auch mal explodieren, krächzen, wimmern, bersten, jammern. Dann werden Instrumente auch mal zu Waffen. «Die Sterne geh’n unter / durch Donners Gewalt / das Kind ist gegeisselt / die Mutter
verzweifelt / ihre Augen sind kalt.»
Der Anfang des Stückes macht es dem Zuhörer nicht leicht. Die Musik in «Mater Aeterna» ist neu. Modern. Ungewohnt. Und in einem grossen Masse kompromisslos. Doch die Verunsicherung dauert nicht lange. Wie die Mutter im Stück, die trotz ihrer Trauer die Reise zurück in die Zeit antritt, auch wenn sie alle vom Ziel abbringen wollen (<
Und wie das richtige Leben hat das Oratorium nicht nur aufbrausende, düstere und bedrohliche Abschnitte. Immer wieder berührt die Komposition die Herzen mit zarten Melodien, mit wunderbaren Solo- und Chorpassagen, mit faszinierenden Klangspielen. Verzweiflung und Hoffnung, Tod und Geburt, Krieg und Leben, all dies findet Platz in diesem eindrücklichen
Werk. Und am Schluss triumphiert die Liebe, die allmächtige mütterliche Liebe.
«Darf ich dir danken?», singt der Sohn am Ende, begleitet von leisen, harmonischen Klängen, «das Licht meiner Augen / bist du. / Die Luft in den Lungen / bist du. / Die Farben, mein Ursprung / bist du. / Darf ich dir danken? / Mein Leben, mein Sterben / bist du, / meine Mater Aeterna.»
Die Leistung der Beteiligten ist bemerkenswert. Die beiden Erwachsenenchöre (der Chor “molto cantabile“ und der Schweizer Kammerchor) singen, murmeln, schreien und flüstern ihre Passagen, sind mal Kläger, mal Erzähler, mal Feind, mal Freund. Der Knabenchof der Kantorei Luzern entzückt mit reinen Gesängen und zwei ergreifenden Solopassagen. Die drei Solisten (Corinne Angela Sutter, Daniel Zihlmann und Christian Büchl) verkörpern ihre Rollen in jedem Ton, in jedem Wort. Und die durch Zuzüger verstärkte Musikgesellschaft zeigt sich den Schwierigkeiten des Stücks gewachsen und transportiert die Emotionen des Stückes in jeden Takt dieses gewaltigen Oratoriums, das auf Grund seiner Länge (100 Minuten, ohne Pause) allen, auch dem Publikum, viel abverlangt.
Der belgische Starkomponist Bert Appermont hat mit der «Mater Aeterna » ein wahrhaft grosses Werk geschrieben. Und in Dirigent Karl Herzog fand er einen Partner, der seine Vorstellung von Musik teilt und perfekt umzusetzen weiss. Am Schluss lagen sich die beiden Hauptverantwortlichen in den Armen. Strahlend. Erleichtert. Sie haben bewiesen, dass eine Zusammenarbeit auch über Hunderte von Kilometern Distanz möglich ist, wenn man nur daran glaubt. Sie haben bewiesen, dass auch in der Provinz Unmögliches möglich ist. Wenn man allen Widrigkeiten trotzt, kann auch die «kleine Musik» aus dem kleinen Muri für grossen Kulturgenuss sorgen. «Gratias ago / Darf ich dir danken?»












