30. 04. 2008

Wettbewerb in Cork (Irland) vom 30. April - 7. Mai 2008

Mittwoch, 30. April
Bahnhof Luzern, 6.40 Uhr, Sonne – Frisur hält… Voller Vorfreude und ein wenig verschlafen gondelt uns die SBB nach Genf. Die orange farbenen Easyjet-Schilder erinnern uns eher an Migros Aktionen als an sicheres Fliegen. Dennoch verläuft der Flug ohne grössere Turbulenzen und wir landen sicher in London. Die Wartezeit vertreiben wir uns mit Angry-Double-Whooper und kalten Pommes.
Mit Ryan-Air geht’s dann weiter nach Cork. Dort stösst Koni zu uns, jedoch blieb ein halbes Konzertoutfit wohl in London.
Wie immer ist die Weiterreise perfekt organisiert, die Mietautos stehen schon bereit. Das Verstauen unseres Gepäcks erinnert uns stark an Tetris.
Die Fahrt zu unserer Unterkunft kann beginnen. So ein sattes Grün haben wir alle wohl noch nie gesehen… Wind bläst uns um die Ohren und die Sonne strahlt mit unseren Gesichtern um die Wette. Kühe, Schafe und Pferde stehen friedlich auf der Weide und ein Bächlein ziert den Strassenrand. Die Pubs und Kleinwarenläden mit ihren Holzfassaden in allen Farben schmücken die kleinen Dörfer.
Nach einigen Minuten kommen wir in unserer Herberge an. In einer kleinen Häusersiedlung mit eigenem Töggelikasten, Billardtisch und Lebensmittelladen verbringen wir also unsere nächste Woche. Wir freuen uns alle sehr! Das Küchenteam verwöhnt uns mit einem leckeren Znacht und den Abend verbringen wir mit gemütlichen Spielen. Glücklich und müde fallen wir in unsere Betten.
Von Laura Binggeli

Donnerstag 1. Mai
Nach der langen Anreise hatten wir zum ersten Mal die Gelegenheit, irische Morgenluft zu schnuppern. Aromatisch war sie vor allem von Salz- und Algengeruch geprägt, doch erfrischend genug, um sich schnell zum Frühstück in die warme Stube zu setzten. Danach wurde fleissig in Quartetten geprobt, da Andi erst am Nachmittag zu uns stossen würde.
Am Nachmittag stand eine erste Visite von Cork auf dem Programm. Allein schon die Hinreise durch die malerischen Städtchen Irlands und der atemberaubenden Landschaft war ein Genuss, vor allem auch weil unser Taxidienst mit Heike an der Spitze vorzügliche Arbeit leistete. In Cork angekommen, mussten wir die übliche Turbulenzen am Festivalsbüro über uns ergehen lassen, ehe wir in Luigi Malones‘ Restaurant einen edlen Tropfen Leitungswasser geniessen konnten. Natürlich gab‘s dazu auch auf Wunsch Lasagne oder Spaghetti. Bei Luigi’s stiess dann auch Andi voller Vorfreude auf den bevorstehenden Wettbewerb zu uns.
Abends stand ein Gala Konzert in der Cork City Hall auf dem Programm, bei dem “musica intima“, ein professionelles Gesangsensemble aus Kanada, das Publikum mit perfekter Intonation, abwechslungsreichen Choreografien und tollem Repertoire begeisterte. Danach machten wir uns auf den Weg zu unseren Autos, wo wir mit leckeren Sandwichs und irischen Keksen empfangen wurden. Als alle fertig gespeist hatten ging‘s auch schon zurück zum Clogheen Holiday Village, da ein anstrengender Probetag vor uns lag.
Von Mauro Peter

Freitag, 2. Mai
Bis hierhin war von einer Konzertreise noch wenig zu spüren gewesen,
geschweige denn von einer Reise inklusive Wettbewerb. Doch das Früh-Stück,
das seinem Namen – im Vergleich zum gemütlichen Bruch am Vortag – alle Ehre
machte, liess uns die eigentlichen Zwecke der Reise schnell wieder in
Erinnerung rufen. Zügig machten wir uns auf den Weg zum Clonakilty Community
College, wo das erste Konzert stattfinden sollte. Nach der Ankunft war
relativ schnell klar, dass das ‘mystisch Hören’-Programm wohl nicht die
geeignetste Unterhaltung darstellen würde für die Horde fussballspielender
Jungs, die später unser Publikum sein würden. Und so entwarf und probte Andi
ein komplett neues Programm, während ein paar seltsam knarrende Heizstrahler
den Kampf gegen die Kälte im der etwas heruntergekommenen Turnhalle
aufnahmen. Das Konzert selbst war kurios: sassen zu Beginn nur wenige der
blau uniformierten SchülerInnen auf den Stühlen, kamen im Laufe der Zeit
immer mehr hinzu; zwischendurch ging auch mal wieder jemand; jedoch nicht,
ohne sich zuvor beim Dirigenten Andi und dem Sprecher Konrad per
Händeschütteln zu bedanken…
Der an das Konzert anschliessende Tee und Snack gab uns Gelegenheit, uns ein
wenig für den Nachmittag zu stärken und für Mauro lag sogar noch eine
Begegnung mit seinem Doppelgänger drin.
Für das zweite Konzert mussten wir wieder nach Cork fahren und auf der Fahrt
dorthin gab es eine kurze Unterbrechung infolge verloren gegangener
Schweizer Schokolade. Kurzerhand überbrückten wir diese Wartezeit mit einer
Spontanparty am Strassenrand und schafften es dennoch, rechtzeitig bei der
Cork City Hall zu sein. Währenddessen eine Delegation dort dem Lord Mayor of
Cork einen Besuch abstattete, konnte der Rest schon mal die City Hall, in
der wir später unseren Auftritt haben sollten, inspizieren oder den andern
Chören beim Proben zuhören.
Vom Festival-Staff geführt, betraten wir kurz darauf zum ersten Mal die
Bühne, auf der auch der Wettbewerbsauftritt stattfinden würde, um als
Abschluss eines ‘school concert’ die Leute mit Mendelssohn, Debussy und
Humpty Dumpty zu verzaubern.
Da das Konzert alle hungrig gemacht hatte, bewegten wir uns schnell Richtung
Parkhaus und fuhren zurück ins Village, wo wir kurzerhand das Abendessen vor
die Chorprobe schoben. In der Zeit bis dorthin war trotz allgemeiner
Müdigkeit viel los; dank Sämi kamen wir zum ersten Mal über das Internet
wieder mit dem Rest der Welt in Kontakt (und erfuhren dabei unter anderem
von Noras bestandenem Englischdiplom, bravo!) und bei einem Gang durchs Haus
konnte man bei genauem Hinhören sogar ein zweistimmiges baritonales-‘Alle
meine Entchen’ im Sekund-Abstand hören…(:
Es dauerte nicht lange und ein wunderbares Abendessen stand auf dem Tisch,
das wir glücklich verspeisten und dabei auch die aufkommende Nervosität auf
den Wettbewerbstag etwas beruhigen konnten…!
Von Benjamin Rapp

Samstag, 3. Mai
Nach einem kurzen Frühstück starteten wir mit einigen höchst hilfreichen Atemübungen unseren Probenendspurt. Bereits beim Auftritt bei den Murten Classics im vergangenen Sommer hatten diese Übungen ihren Teil zum Erfolg beigetragen. Gut durchgelüftet und nach einigen Stimmübungen verpassten wir dem Wettbewerbsprogramm einen letzten Feinschliff. Dann war auch schon Zeit für ein vorgezogenes Mittagessen, das aber eher bescheiden ausfiel, da die meisten sowieso nur noch den bevorstehenden Wettbewerbsauftritt im Kopf hatten und mehr aus Gründen der Vernunft einige Happen zu sich nahmen. Nach einer ereignislosen Fahrt nach Cork machten wir uns vor Ort auf die Suche nach unserem Einsingraum in der Cork School of Music, welchen wir nach einem kleinen Umweg und der Hilfe eines Eingeborenen auch fanden. Noch einmal Atmen und letzte Passagen ansingen und schon ging es weiter zum Ort, wo der lang ersehnte Auftritt stattfinden sollte. Gewohnt nervös betraten wir die Bühne der Cork City Hall, wo die Jury und ein eher bescheidenes Publikum uns bereits erwarteten. Dann war der grosse Moment gekommen. Nach einer kleinen Unsicherheit beim ersten Ton fanden wir uns schnell zurecht und präsentierten unsere Stücke souverän und ohne grössere Schwierigkeiten. Einzig unser letzter Akkord beim Humpty Dumpty Medley ging im Gelächter des Publikums leider ein bisschen unter. Erschöpft, erleichtert und vor allem aber glücklich über die erbrachte Leistung wurden wir nachher von unserem Begleitteam mit einer Erfrischung in Form von Limonade und Schokolade überrascht. Nach einer kleinen Fotosession begaben wir uns dann gemütlich ins nahe gelegene Clarion Hotel, wo wir das Nachessen zu uns nahmen. Am Abend stand noch der Besuch der letzten Wettbewerbsdarbietungen der anderen Chöre auf dem Programm, was im Anschluss daran zu angeregten Diskussionen über das Gehörte und, im Vergleich dazu, unsere erbrachte Leistung führte. Das zog sich hin bis tief in die Nacht und fand auch am folgenden Tag noch die eine oder andere Fortsetzung.
Von Daniel Sager

Sonntag, 4. Mai
8.00 Uhr, der Wecker klingelt. Leicht nervös und gespannt auf unser Wettbewerbsergebnis kämpfen wir uns aus dem Bett. Nach dem Morgenessen besammeln wir uns zur Probe, werden jedoch schon bald unterbrochen: 3 einheimische Musiker spielen uns spontan ein paar irische Volkslieder vor. Als Gegenleistung präsentieren wir ihnen im Freien unser „Humpty Dumpty Medley“. Um 11.00 Uhr singen wir an einem Gottesdienst in Clonakilty. Dabei bemerken wir, dass die Iren – ob gross oder klein – viel fleissigere Kirchengänger sind als wir. Danach gibt es im Pfarreiheim leckere Sandwichs, Kaffe und Zuckerguss mit Törtchen.
Nachdem wir uns zu Hause umgezogen haben, fahren wir nach Cork. In den Autos wird die Stimmung immer gespannter, alle werden nervös, was sich jedoch bei jedem anders auswirkt. Nach einer langen Reden kommt es nun endlich zur Rangverkündigung. Leider haben wir nur den 9. Platz erreicht. Der Spezialpreis und das gute Punkteresultat (98.8 von 100) heitert unsere Stimmung jedoch wieder etwas auf.
Bis zum Galakonzert sind wir jedoch wieder in Höchstform und singen unsere beiden Stücke voller Energie und Freude. Unser erster Pub-Besuch und das erste waschechte Guiness folgen sogleich. Bei dieser Gelegenheit lernen wir Noras australische Lieblingsbeschäftigung, das „Slaps-Spiel“, kennen. In heiterer Stimmung brechen wir zur After-Competition-Party“ im Clarion Hotel auf. Dort singen und feiern wir mit den Preisträgern um die Wette.
Von Pierina Merlo und Vera Kolly

Montag, 5. Mai
Nach 5 anstrengenden aber wunderschönen Tagen war der Probe-, Konzert- und Wettbewerbsmaraton geschafft! Heute war klar, es wird ausgeschlafen so lange es geht. Der einzige Zeitpunkt welcher an diesem Tag festgelegt wurde, war die Abreise zur Burg von Blarney. Selbstverständlich war diese Reise fakultativ, doch die spannende Geschichte rund um das Schloss zog dennoch die eine oder andere Schlafmütze aus dem Bett. Diese Ruine in dem Dörfchen Blarney, 8 Kilometer Nördlich von Cork, umwebt eine spannende Legende. Man sagt, wer den Stein von Barlney kopfüberhängend Küsst, bekommt eine redegewandtere Sprache. Der Stein umwebt viele Sagen. Eine davon ist zum Beispiel, dass dies der Stein war, auf welchen Moses mit seinem Stock schlug, um so Wasser für die Israeliten zu produzieren. Der Stein wurde dann im 14. Jahrhundert in die Mauer gelegt. Wie dem auch sei, über 300’000 Leute reisen jährlich zum Blarney Stone für eine flüssigere Sprache. Rund um die 27 Meter hohe und 1000 Jahre alte Burgruine erstreckt sich ein schöner Wild-Park, welcher auch gespickt ist mit Mythen rund um Hexen, Kobolde und Elven.
Nach dem vergnüglichen Abenteuer rund um den Blarney Stone, gönnten wir uns einen kleinen Apéro im besagten Dorf. An der Kasse zum Supermarkt merkten wir auch, wie flüssig plötzlich das Bestellen einer Cola vonstatten ging. Ganz erstaunt fuhren wir danach wieder zurück in unsere Schlafstätte in Clonakilty und überzeugte dort alle, von unseren neuen Super-Kräften. Viele überlegten sich dann auch, in die Politik einzusteigen. Mit einer so hervorragenden Sprache wäre der Erfolg unvermeidlich gewesen. Pläne über eine molto cantabile Partei waren gross im Gespräch an diesem Abend. Wie auch immer, am nächsten Morgen stellten wir mit schmerzendem Kopf fest, dass wohl die ausgiebige Feststimmung uns die neuen Super-Kräfte vorgegaukelt hat. Leider wurden danach die politischen Pläne zur Super-Partei wieder begraben, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.
Von Semjon Bulinsky

Mittwoch, 7. Mai
Nach sehr frühem Weckruf treffen sich alle ungewohnt still bei den Autos. Die Fahrt zum Flughafen verläuft ohne Probleme, was die meisten von uns jedoch total verschlafen.
Starbucks (natürlich sofort von Thomas’ geschultem Auge entdeckt) erweckt die Lebensgeister wieder und am Flughafen sieht man bereits vereinzelte Jass- und Tichurunden. Das Flugzeug, welches uns nach London bringt, teilen wir mit einer Horde irischer Teenager, die nach einer Mischung aus Pfadfindern und Bibelgruppe aussehen und uns – man staune! – locker übertönt.
In London angekommen entschliesst sich ein Teil der Sänger/innen von molto cantabile zu einem Ausflug nach Cambridge, während der Rest mit allem Gepäck und bestens ausgerüstet mit viel zu Essen, Gesprächen über vergangene und folgende Reisen von molto cantabile, Spielen und guter Laune am Flughafen bleibt.
Cambridge bezirzt mit schmalen Gassen, dunklen Pubs und schönen Pärken. Nachdem man bei Fish’n’Chips und Guinness auf Nora (happy Birthday, Nora!) angestossen hat, bummeln wir durch die Strassen, bestaunen prächtige Kirchen und vor allem die ehrwürdigen Colleges, deren efeuumrankte Gebäude uns tief beeindrucken.
Das Beste des Tages ist aber die unvergessliche Bootsfahrt, die wir bei geschätzten 35°C und strahlendem Sonnenschein unternehmen: zwei grosse Ruderboote werden von Chregi und Semjon mehr oder weniger elegant – vom Zusammenstoss sei ein anderes mal erzählt… – mit stolz geschwellter (und in Semjons Fall nackter) Brust den Cam rauf und runter gestakst. Die Passagiere geniessen eine romantische Fahrt durch schöne Pärke und unter entzückenden Brücken hindurch.
Zurück am Flughafen wird Noras Geburtstag noch mit einem zollfreien „pink Vodka“ begossen, der leider besser aussieht als er schmeckt und wohl noch heute in einem Billy-Regal von Nora Staub ansetzt…
Hundemüde fliegen wir nach Zürich und nehmen den Zug nach Luzern.
Eine weitere Episode von molto cantabile geht zu Ende und wir alle freuen uns schon auf die nächste…
Von Eva Ruh