27. 12. 2009

Probelager 08/09 in Wila (ZH)

Am Samstagnachmittag erreichte die Gruppe das liebenswerte Zweitausend-Seelen-Dorf Wila. Vom Bahnhof aus musste zuerst eine kürzere Strecke zum Lagerhaus „Rosenberg“ zurückgelegt werden. Mit dem Gepäck erwies sich der Aufstieg bei Temperaturen um den Gefrierpunkt als recht anstrengend . Froh, die warme Gaststätte endlich erreicht zu haben, wurden sogleich die Zimmer bezogen und man machte es sich gemütlich.

Der Tag begann jeweils um 7:30 im oberen Saal, wo sich die molto cantabile Truppe zum Workout, bestehend aus Elementen des Qi Gong und Yoga, versammelte. Trotz Schlaftrunkenheit und morgendlichem Kalorien-Defizit wurden die Übungen unseres Chorleiters mit vollem Engagement nachgemacht. Man ist versucht zu sagen: jeder gab sein Bestes. Aus der wohltuenden Mischung aus Entspannung und Aktivierung des Körpers konnten wir Energie für die fordernden Chorproben schöpfen. Diese Energie war vonnöten, musste doch ein Grossteil des kommenden Konzertprogramms in diesem Lager einstudiert werden.

Nach getaner Arbeit standen an den Abenden eine ganze Reihe von unterhaltsamen Spielen auf dem Plan. Man vergnügte sich beim Jassen, einem Tichu oder beim Pokern. Speziell zu erwähnen ist „Extreme Activity“, bei dem verschiedene Begriffe erraten werden müssen. Dabei ging es mitunter sehr actionreich zur Sache, so wurde bei einem pantomimisch vorgeführten Purzelbaum schon mal der Tisch umgestossen. Das Game hatte aber auch schwierige Wörter auf Lager. Bei der Pantomime von zum Beispiel Zittergras wurden die Darsteller an ihre Grenzen geführt. Nie war der Zusammenhang zwischen Botanik und Epilepsie offensichtlicher.

Zu einem der Programmpunkte der Lagerwoche gehörte der Sportabend, für den man sich am Dienstag zur nahegelegenen Turnhalle begab. Das Einlaufen erfolgte unter der professionellen Leitung von Thomas. Nach ein paar Runden Völkerball lief das Sängerherz auf Hochtouren und man war bereit für Fussball und Basketball. Der Abend, bei dem man sich endlich auch mal körperlich verausgaben konnte, war eine willkommene Abwechslung zur Chorarbeit.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der grossen molto cantabile Silvesternacht, die mit einer Reihe von Darbietungen aufwartete. Den Auftakt machten Fiona und Semjon mit einem Ausschnitt aus der Oper „Don Giovanni“. Das Traumpaar des internationalen Opernstudios Wila brillierte mit ihrem Balzgehabe. Eine weitere musikalische Perle lieferte das A cappella Quartett „il Promillo“ mit einem Hit von Billy Joel.

Es folgte ein sportlicher Programmpunkt. Genauer gesagt ging es um den anspruchsvollen Symmetrietanzstil, den uns Choreo-Coach T.B. (Thomas Bachmann) näher zu bringen versuchte. Dies klappte auch wunderbar. Dem Charme von Thomas und seinen Verrenkungen in Verbindung mit der beschwinglichen Musik konnte sich niemand entziehen, so erhob sich selbst das tanzfaulste Gesäss vom Stuhl.

Der Film-Sketch „Dinner for one“, den unsere liebevolle Tätschmeisterin Julia mitbrachte, musste kurz vor Mitternacht unterbrochen werden, da es jetzt die Sekt-Gläser zu füllen galt. Im Eiltempo wurden die Champagnerflaschen geköpft und so konnten wir auch um Punkt zwölf miteinander anstossen. Korken knallten und Feuerwerkskörper trübten die frische Luft mit Schwefeldämpfen. Feucht-fröhlich wurde noch bis in die frühen Morgenstunden gefeiert und zu der professionell aufgelegten Musik unserer iPod-DJ`s getanzt.

Der Neujahrstag diente der Entspannung und Ausnüchterung. Mit einem revitalisierenden Brunch tankte der Chor Energie für die bevorstehende Wanderung. Bei strahlend schönem Wetter wurde die märchenhafte Schneelandschaft unsicher gemacht.

Die verbleibende Zeit des Lagers wurde dann wie gewohnt für Chorproben genutzt. Mittlerweile waren so ziemlich alle Sänger Fans von einem jungen amerikanischen Starkomponisten. Die Rede ist von Eric Whitacre. Seine Literatur macht uns einfach ungeheuer viel Spass, was man von Weberns „schiefen Kähnen“ nicht immer behaupten kann.
Zur Chorarbeit sei auch noch die spezielle Einsingübung zu erwähnen, die sich die Woche hindurch etabliert hatte. Die phonetische Abfolge der Übung geht zurück auf ein unvollendetes Gedicht von Ex-Trachtenvereinschef Samuel Schmid. Mit „Ooh du: Oooooh du, Ooooooh duu“ waren die mehrheitlich männlichen Sänger mit tiefer laryngealer Lage und viel Brustanteil in regelmässigen Abständen stimmbildnerisch tätig.

Am Abreisetag war frohes Putzen angesagt. Froh war wohl auch der Zustand der Hausherrin, als sie danach die klinisch sauber geputzte Gaststätte entgegennahm.
Dann hiess es Abschied nehmen von einer Umgebung, in der der Chor eine wunderschöne, wenn auch viel zu kurze Zeit erleben durfte.
Dass die Probenwoche eine super Sache war, muss eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden. Die gravierenden Entzugserscheinungen in den folgenden Tagen sprechen für sich….

Von Fiona Limacher und Philipp Schmidlin