37. Choral Contest in Tolosa (Spanien) vom 27. Oktober - 2. November 2005
Donnerstag, 27. Oktober 2005:
Voller Vorfreude trafen wir uns alle pünktlich um 15.45 Uhr am Bahnhof Luzern. Nach Umsteigen in Bern und einer fünfstündigen Fahrt im engen TGV erreichten wir kurz nach 22.00 Uhr Paris, wo ein paar unternehmungslustige Sänger/innen von molto cantabile eine halbe Stunde lang durch die Stadt rannten, um einen Blick auf den Eiffelturm zu erhaschen. Schliesslich bezogen wir noch rechtzeitig unsere überaus geräumigen Abteile im Nachtzug, der uns sicher nach Spanien bringen sollte.
Freitag, 28. Oktober 2005:
Nach einer ruhigen Nacht kamen wir früh am Morgen in Irun an und wurden von unseren überaus sympathischen Hostessen Nora und Inexa empfangen. Sie führten uns im Clubbus von Real Sociedad San Sebastian, dem erfolgreichsten baskischen Fussballverein, nach Segura zu unserer Unterkunft. Nachdem wir uns einigermassen eingelebt hatten, machten wir uns auch sogleich ans Proben. Bereits beim ersten Mittagessen in der Jugendherberge kamen wir in den Genuss der exzellenten spanischen Küche. Dann machten wir uns auf nach Tolosa, wo wir durch die Altstadt schlenderten und in einer Bar das Jury-Mitglied Volker Hempfling antrafen. Danach ging es an den Ort des Wettbewerbs, wo wir während 20 Minuten die Akustik der Halle austesten konnten. Anschliessend durften wir dem Wettbewerbsauftritt von sechs Profiensembles beiwohnen, wobei wir uns unter anderem über eine besonders ausdrucksstarke Darbietung einer lettischen Formation köstlich amüsierten. Nach einem ersten Fischgenuss fuhren wir müde zurück in unsere Unterkunft.
Samstag, 29. Oktober 2005:
Da wir heute unser erstes Konzert vor spanischem Publikum bestritten, mussten wir relativ viel Zeit fürs Proben investieren. Am Nachmittag wurden wir von unserem schweigsamen Carchauffeur ins zweieinhalb Stunden entfernte Polanco gefahren, wo wir noch vor dem Auftritt ein üppiges Mahl zu uns nahmen. Nach kurzem Einsingen und hektischem Umziehen in der Sakristei (sogar für vergessene Konzertschuhe wurde dank Astrid schnell ein Ersatz gefunden), eröffnete ein lokaler Chor mit bestechender Reinheit auch schon das Konzert. Danach vermochten wir mit einer soliden Leistung das ländliche Publikum von den Kirchenbänken zu reissen. Nach der ebenso langen Rückfahrt sanken wir abermals müde zu Bett.
Sonntag, 30. Oktober 2005:
Aufgrund der Tonaufnahmen vom Vortag, nahmen wir am Morgen noch letzte Verbesserungen für den Wettbewerbsauftritt vor und feilten ausführlich an schwierigen Stellen. Nach dem Mittagessen fuhren wir auch schon nach Tolosa, um noch einmal alle heiklen Stücke anzusingen und uns mental vorzubereiten. Dann sassen wir aufgeregt in unserer Garderobe und warteten auf unseren Auftritt. Kurz nach 17.00 Uhr betraten wir die Bühne und boten dem Publikum und vor allem der renommierten Jury eine fulminante Leistung. Glücklich über die Leistung im ersten Teil, aber immer noch angespannt wegen des bevorstehenden zweiten Auftritts sassen wir kurz darauf wieder in der Garderobe. Eine Stunde später war es geschafft. Mit einer abermals guten Leistung hofften wir die Jury überzeugt zu haben und machten uns auf den Weg in ein schnuckeliges Restaurant, wo wir insbesondere unsere Hostessen von der Trinkfestigkeit der Schweizer zu überzeugen versuchten. Den Tag beendeten wir in einer weiteren Bar in Segura.
Montag, 31. Oktober:
Heute fuhren wir um 10 Uhr morgens nach San Sebastian, um dort den Tag zu verbringen. Nachdem wir unser Lunchpaket gefasst hatten, zerstreuten wir uns in alle Himmelsrichtungen und brachten teils grosse Geldmengen in Umlauf. Danach führten uns unsere Hostessen durch die Stadt und zeigten die Sehenswürdigkeiten. Beim Spaziergang entlang der Küste erfreuten wir uns am Spiel der hohen Wellen und liessen unsere Digitalkameras heisslaufen. Am Strand konnten wir es uns auch ohne Badezeug nicht nehmen lassen, im Meer zu plantschen. Völlig durchnässt betraten wir kurz darauf wieder unseren Reisebus, der uns ins idyllische Muskiz führte. Bereits bei der Ankunft am Ort unseres vorläufig letzten Konzertes in Spanien, wurden wir von einem Haufen weiblicher Fans begrüsst, die es offensichtlich auf ein bestimmtes Chormitglied abgesehen hatten und uns deswegen den ganzen Abend keine Ruhe liessen. Nach einem wenig aufbauenden Einsingen gaben wir dennoch unser Bestes, worauf wir prompt wieder mit einer Standing-Ovation belohnt wurden. Nach dem Essen begaben wir uns schnell wieder in den Bus, wo wir auf der Rückfahrt gebannt auf unser Wettbewerbsergebnis warteten, das uns per Telefon übermittelt werden sollte. Als es endlich soweit war, freuten wir uns über unseren zweiten und vierten Platz. Zufrieden gingen wir an diesem letzten Abend in Spanien ins Bett.
Dienstag, 1. November:
Nachdem wir unsere sieben Sachen gepackt hatten, verabschiedeten wir uns von unserer Herberge und fuhren nach Tolosa an die Schlussveranstaltung des Festivals. Empfangen wurden wir dieses Mal von ein paar Demonstranten und furchteinflössenden Polizisten. Unbeirrt dessen sangen wir uns für unseren Kurzauftritt ein und begaben uns erneut auf die Bühne. Nach einer suboptimalen Performance genossen wir in den Zuschauerrängen die anderen Darbietungen und darauf gingen wir mit allen anderen Chören zum Abschiedsessen. Erneut vermochten uns die Spanier von ihren extravaganten Kochkünsten zu überzeugen. Pappsatt fuhren wir danach Richtung Frankreich, wo unser Nachtzug abfahren sollte. Nach einer rührenden Verabschiedung von Nora und Inexa bezogen wir unsere bequemen Sitzschlafstühle, die uns eine erholsame Nacht garantierten.
Mittwoch, 2. November:
Nach Umsteigen in Genf erreichten wir gegen Mittag wieder unsere Heimat, wo uns der graue Alltag wieder einholte.
Von Lisa Hochstrasser und Daniel Sager













